Buchvorstellung: Sagenhaftes Deutschland von Kilian Schönberger

Habt ihr Lust auf eine Reise durch Deutschland? Wollt ihr magische Berge, Burgen und Schlösser entdecken? Dann habe ich etwas tolles für euch. Kilian Schönberger, einer meiner absoluten Lieblingsfotografen, hat vor kurzem sein Buch Bildband Deutschland* herausgebracht. Ich musste das Buch unbedingt haben und weil ich von dem Projekt so begeistert bin, habe ich Kilian gebeten, uns etwas über das Projekt zu erzählen. Ladies and Gentlemen, legt die Beine hoch, macht es euch bequem und genießt diesen tollen Einblick.

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Um es vorwegzunehmen, ich bin von dem Buch restlos begeistert, das Buch ist wirklich jeden Cent wert. Es wanderte bereits durch mehrere Hände und alle waren sehr angetan, sowohl von den Texten als auch von den Fotografien oder von der Qualität des Buches. Damit will ich verdeutlichen, dass das Buch für jeden etwas ist, man muss nicht zwangsläufig etwas mit Fotografie zu tun haben, jeder wird das Buch lieben, garantiert.

Auf 240 Seiten erlebt man eine Mischung aus Texten und Bildern. Es sollte einem klar sein, dass es kein reines Bilderbuch ist. Die Bilder sind begleitend zu den Erzählungen und umgekehrt. Das ganze wirkt in meinen Augen sehr harmonisch, die Balance zwischen den Erzählungen und den Bildern ist wunderbar, alles ist sehr gut aufeinander abgestimmt. Das i-Tüpfelchen sind die kleineren Zitate namenhafter Personen, die man ab und an findet – auch diese sind sehr passend gewählt. Hier stecken sicherlich eine Menge Arbeitsstunden drin und alleine könnte man solch ein Projekt sicherlich nicht stämmen.

Kilian bereiste für das Buch ganz Deutschland und um dem Buch eine Struktur zu geben ist es in sechs große Bereiche gegliedert – vom Norden bis hin zum Süden. Am Ende findet sich noch eine interessante Übersichtskarte, in dem alles schön markiert ist. Wer Kilian’s Arbeit verfolgt, der wird im dem Buch auch schon das ein oder andere bekannte Bild vorfinden. Das finde ich nicht schlimm, denn wenn man bereits ein perfektes Bild hat, warum sollte man es nicht nutzen. Der größte Teil der Aufnahmen ist mir jedoch unbekannt. Auch das macht den Reiz aus, denn man weiß nie was einen auf der nächsten Seite erwartet. Oft machte es jedoch bääm und man sieht eine, über zwei Seiten gehende, grandiose Aufnahme die nicht mehr zu toppen ist. Nachfolgend ein Text von Kilian Schönberger, der einen Einblick in das Projekt geben soll.

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 „Sagenhaftes Deutschland“ – Auf Motivjagd in Deutschland
Endlose Wälder, von Nebel umwallte Felsen und Flusstäler, Einheimische deren Dialekte man nicht versteht, Kollegen mit undurchsichtigen Absichten, wilde Tiere und Orientierungslosigkeit. Hört sich an wie der Plot des Kinofilms „The Revenant“? Nein – es ist nur der Arbeitsalltag eines Landschaftsfotografen in Deutschland. Zumindest solang man nicht gerade am Schreibtisch Recherche betreibt oder stundenlang über die Autobahnen fährt um entlegene Aufnahmestandorte zu erreichen. Während der Jahre 2014 und 2015 arbeitete ich am Bildband „Sagenhaftes Deutschland“ und möchte folgend einige Einblicke in meine Erfahrungen und Erlebnisse während der Arbeit am Buch geben:

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Sagen und Märchen als fotografische Inspirationsquelle
Als ich vom Verlag Frederking & Thaler die Anfrage bekam ob ich mir basierend auf meiner „Brothers Grimm’S Homeland“ Serie einen Bildband vorstellen könnte, wusste ich noch nicht so genau welche Art von Arbeit im folgenden Jahr vor mir liegen würde. Ich hatte zwar bereits Erfahrung mit in Bildbänden veröffentlichten Fotografien, aber dies war mein erster Autorenbildband in Eigenregie.

Das Thema Sagen & Märchen fand ich extrem spannend. Bereits seit meiner Kindheit hab ich mich mit mythischen Stoffen auseinandergesetzt. Die Sagen des klassischen Altertums, die epischen Werke über Nibelungen, Dietrich von Bern und Siegfried von Xanten. Auch die Sagenwelt meiner ostbayerischen Heimat hab ich mir schnell erschlossen und bereits damals festgestellt, dass Sagen oftmals erzählt wurden, um sich merkwürdige Naturformen und Ruinenreste zu erklären. Fast jeder auffällige Fels, alte Baum und jede Burg wird von sagenhaften Erzählungen begleitet. Als Landschaftsfotograf bin ich auch stets auf der Suche nach solchen „besonderen“ Orten. Sagensammlungen sind für mich daher wichtige Inspirationsquellen zum Erschließen von neuen Motiven. Ich denke, dass unsere Wahrnehmung massiv kulturell geprägt ist. Den Wald, der in Märchen stets den Übergang zur magischen Anderswelt bildet, nehmen wir auch heute noch als mystischen Ort war. Selbst eine akurat gepflanzte Fichtenmonokultur wird so bei Nebel zu einem Märchenwald. Wir sehen also den Wald nicht nur als Ansammlung von Bäumen, sondern gleichzeitig schwingt eine Vielzahl von kulturell angeeigneten Konnotationen mit. Diese Sichtweise ist vermutlich auch ein wenig durch mein Geographiestudium geprägt: Landschaft wie wir sie heute wahrnehmen ist für mich immer die Summe sowohl aus der geologischen als auch aus der kulturellen Vergangenheit. Für den Bildband „Sagenhaftes Deutschland“ versuchte ich Orte zu finden, an denen die Stimmung aus den Märchen und Sagen auch heute noch nachempfunden werden kann.

Die Autobahn als zweites Zuhause
Als ich vom Verlag Frederking & Thaler die Anfrage bekam ob ich mir basierend auf meiner „Brothers Grimm’S Homeland“ Serie einen Bildband vorstellen könnte, wusste ich noch nicht so genau welche Art von Arbeit im folgenden Jahr vor mir liegen würde. Ich hatte zwar bereits Erfahrung mit in Bildbänden veröffentlichten Fotografien, aber dies war mein erster Autorenbildband in Eigenregie. Als Arbeitsgebiet wurde ganz Deutschland gewählt – mit einer maximalen Ausdehnung in Nord-Süd Richtung von 876km und in Ost-West Richtung von 640km. Entfernungen die mir erst während der Arbeit am Buch richtig bewusst wurden. Ich hatte 12 Monate Zeit um die 200 für das Buch notwendigen Motive zu fotografieren. 70.000km später und nach etlichen Stunden und Nächte auf der Autobahn hatte ich schließlich fast jede Ecke des Landes bereist. Mit „Sagenhaftes Deutschland“ war ein umfassendes fotografisches Werk zu den Besonderheiten der Natur- und Kulturlandschaft Deutschlands entstanden.

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Umfang der Motive für das Buch
Während meiner Touren entstanden mehrere tausend Bilder, von denen schließlich 200 Motive in das finale Buchdesign übernommen wurden. Ich bot dem Verlag für die sechs geographisch gegliederten Kapitel des Buches: Nordwesten (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Bremen), Nordosten (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin), Westen (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland), Osten (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen), Südwesten (Baden-Württemberg) und Südosten (Bayern) jeweils 50-80 Motive zur Auswahl an. Die Motive hab ich weitgehend selbst recherchiert und versuchte die regionalen Besonderheiten  – wie Moorlandschaften und Megalithbauten im Norden, oder Bergseen und Höhenburgen im Süden – mit einfließen zu lassen. Nach Absprache mit den Textautoren kamen am Ende  nochmal  ~20 weitere Motive hinzu, die mit in das Buch reingenommen werden sollten, um den Text und Bildteil abzurunden.

Die Qual der Wahl – Recherche der für das Buch relevanten Abbildungen
Bereits als das grobe Thema des Bildbandes feststand, hab ich angefangen mich mit der Recherche der Motive auseinanderzusetzen. Zuerst hab ich meine Archive durchforstet, in denen ich im Lauf der letzten Jahre mehrere Hundert potenzielle Locations gesammelt hab. Ich filterte die Motive nach fotografischem und thematischem Potenzial. Am Ende hatte ich ca. 500 Locations aus meinen Beständen als abbildungswürdig erachtet, hinzu kamen nochmal ungefär 500 Orte die ich bei gezielten thematischen Recherchen zusätzlich fand. Oft entsprach die Zeit, die ich zur Recherche eines bestimmten Motivs aufbrachte der Zeit, die ich vor Ort fotografiert habe. Gerade bei Plätzen die keine konkrete Ortsangabe haben ist das Herausfinden der Geo-Koordinaten eine fast schon detektivische Kleinarbeit. Schon Kleinigkeiten wie Relief der Landschaft, vorherrschende Pflanzenarten etc. können Hinweise darauf geben aus welcher Gegend ein Bild stammt. Von diesen knapp 1.000 Motiven zur Auswahl haben es 200 ins Buch geschafft. Wobei es leider relativ häufig vorkam, dass die Situation vor Ort eine gänzlich andere war, als man von der Recherche her erwarten konnte: Alte Bäume wurden gefällt, naturbelassene Orte für den Besucherverkehr mit Geländern und Hinweistafeln „urbanisiert“ und bei alten Gebäuden größeren Ausmaßes findet sich eigentlich immer an irgendeiner Seite ein Baugerüst. Leider hat sich bei den Tourismusämtern noch nicht herumgesprochen, dass Ursprünglichkeit und unauffällige touristische Infrastruktur auch ein Qualitätsmerkmal sein können. Gerade für die Gäste von morgen.

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Eine einfache Formel zur Berechnung des fotografischen Potenzial eines Motivs

Aufgrund des knappen Zeitplans – ein Jahr ist reichlich wenig wenn man ganz Deutschland möglichst zu allen Jahreszeit abdecken möchte – musste ich mich gründlich vorbereiten um möglichst jedes Motiv schon beim ersten Besuch unter guten äußeren Bedingungen präsentieren zu können. Die Herausforderung beim Fotografieren einer normalen Landschaft ist, dass das reine „Naturpotenzial“ des Motivs normalerweise geringer ist als im Hochgebirge oder an der Küste. Sprich die Bedingungen müssen schon einigermaßen gut sein, um ein ansprechendes Ergebnis zu erhalten. Ich hab mir eine kleine Faustformel zurecht gelegt, um das Potenzial eines Fotos beurteilen zu können:
Ich vergebe „Punkte“. Potenziell kann ein Motiv 30 Gesamtpunkte erreichen. Diese errechnen sich aus 10 Punkten für das Naturpotenzial der Location, 10 Punkten für die äußeren Bedingungen (Witterung, jahreszeitliche Besonderheiten wie Schnee etc.) und 10 Punkten aus den technischen Möglichkeiten des Fotografierenden. Um ein Bild zu erhalten, das sich deutlich vom Durchschnitt absetzt, strebe ich ~20 oder mehr Punkte an. Wenn man jetzt an einem Ort fotografiert, wo einen die Motive förmlich anspringen – wie in den Dolomiten, in Island etc. – kann man durch das hervorragende Naturpotenzial bereits bei mittelmäßigen Bedingungen ein gutes Bild machen. Wobei einen „normale“ Landschaften vor größere Herausforderungen stellen: Abgesehen von den fotografischen Hotspots (Alpenraum, Ostseeküste, Elbsandsteingebirge etc) hab ich in Deutschland oftmals Locations in das Buch aufgenommen, die subjektiv nur mittleres Naturpotenzial besitzen. Um bei einem Motiv mit Naturpotenzial 5 auf über 20 Gesamtpunkte zu kommen, brauchte ich also gute äußere Bedingungen und ebenso fortgeschrittene technische Fertigkeiten bei der Aufnahme als auch in der digitalen Dunkelkammer.

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Das Besondere im Alltäglichen entdecken
Das Ziel musste also sein, mit möglichst wenigen Besuchen (am besten nur einmal pro Ort) möglichst viele für das Buch geeignete Bilder mitzunehmen. Reiner Perfektionismus wäre aber bei einem solchen Großprojekt fehl am Platz, da der Zeitrahmen gesprengt würde. Es gilt das in sich stimmige Gesamtergebnis im Auge zu behalten. Manchmal musste ich mich selbst zum Fotografieren bestimmter Plätze zwingen: Zu verlockend war es bei oft optimalen Bedingungen eine nicht weit entfernte „klassische“ Location der Landschaftsfotografie aufzusuchen. Aber da ich diese Stellen – soweit relevant – meist bereits fotografiert hatte musste ich mich auf die noch weißen Flecken auf meiner Deutschlandkarte konzentrieren.
Aber auch bei den „Klassikern“ musste ich mir ein bisschen was einfallen lassen, um Bilder zu erhalten, die sich von den Standardansichten ein wenig unterscheiden. Für Schloss Neuschwanstein suchte ich mir eine bis dahin vergleichsweise selten gezeigte Perspektive. Für das optimale Ergebnis konnte mit Unterstützung eines lokalen Försters ein den Ausblick störender Baum entfernt werden. Die Rakotzbrücke – das Titelmotiv – erlebte in Zusammenhang mit meiner „Brothers Grimms Homeland“ Serie eine virale virtuelle Präsenz und wurde im Lauf von wenigen Monaten auf Instagram eines der beliebtesten Motive Deutschlands. Ich bin froh, dass diese Brücke als Titelmotiv gewählt wurde, weil sie das geheimnisvoll-sagenhafte Buchthema gut visualisiert.

Landschaftsfotografie ist stets ein Kampf mit den Elementen
Für die meisten Bildideen war ich auf bestimmte Wetterbedingungen angewiesen. Dadurch musste ich nachts teilweise enorme Distanzen überwinden um die Motive wie vorgesehen zu fotografieren. Der Winter 2014/2015 ließ was die Schneemenge angeht zu wünschen übrig, Längere Phasen mit dauerhaften Temperaturen unter 0°C waren Mangelware. Daher herrschte bei den Wintermotiven enormer Zeitdruck. Ein Schneefallgebiet streifte Nordostdeutschland, Zeit der Ostseeküste samt Rügen einen Besuch abzustatten. Von der Ostsee ging es für einen Abend in den Harz, in der gleichen Nacht direkt weiter zum Sonnenaufgang in den Hochschwarzwald. Tags darauf wurde schon wieder ein Wetterumschwung vorhergesagt. Also ging es wie so häufig mehrere hundert Kilometer bei Nacht über Autobahnen in den Süden des Landes. Im Schwarzwald angekommen herrschte extremer Wind. Der Wetterbericht sprach von starken Schneeverwehungen in den Hochlagen. Um nicht ohne Sprit im Schnee stehen zu bleiben, füllte ich den Tank vorsichtshalber nochmal in einem der Talorte auf. Tatsächlich waren die Bergstraßen kaum zu befahren, von der Seite her schoben sich mit dem Wind unablässlich Schneewehen in die Fahrbahn, man konnte direkt zusehen, wie der freie Bereich der Straße immer kleiner wurde. Mit ein bisschen Schwung konnte ich einige der bereits über die Fahrbahn hinweg geschlossenen Schneebarrieren durchbrechen. Aber schnell stand ich vor einer größeren Wechte, nachdem ich ausstiegen war und die Konsistenz und Tiefe des Schnees mit den Füßen testete war schnell klar, dass hier der Allradantrieb auch nicht mehr weiterhelfen und der Unterboden aufsetzen würde. Zum Wenden war es schließlich auch zu spät, da in der Zwischenzeit auch die Verwehungen hinter mir weiter zugenommen hatten. Inzwischen war es 5 Uhr morgens und ich fand mich mit der Situation vor Ort ab. Da die Straße eine wichtige Verbindungsroute nach Freiburg ist, war mir klar, dass früher oder später Schneefräsen auftauchen würden um den Weg freizuräumen. Und tatsächlich – 1,5h vor Sonnenaufgang befreite mich (mit aktivierten Warnblinker) ein Räumfahrzeug und ich konnte noch rechtzeitig den Parkplatz für meine Schneeschuhtour zum Sonnenaufgangsmotiv erreichen.
So diktierte oft das Wetter meinen Arbeitsablauf. Unterm Strich war ich nie länger als 4-5 Tage am Schreibtisch, dann ging es schon wieder los sobald sich günstige Bedingungen abzeichneten. In den arbeitsreichsten Wochen war ich bis zu 120 Stunden mit Fotografieren, Autofahren, Recherchieren etc. beschäftigt. Bei den Touren hab ich versucht jeweils in einer Region mehrere Ziele abzudecken – Los ging es im Südosten des Landes und nach einem Jahr hatte ich schließlich auch die angepeilten Motive in Ostfriesland fotografiert. Nach den Problemen logistischer Natur (Distanzen, Zeitmanagement) noch ein kurzer Blick auf die Naturrisiken denen man – auch in Deutschland – beim Fotografieren von Landschaften begegnen kann.

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Ist es nicht gefährlich allein durch die Wälder zu streifen?
Oft werde ich gefragt, ob es denn gefährlich sei, allein im Wald unterwegs zu sein. Natürlich klettert man für viele Fotos auch abseits der Wege herum. Aber dennoch denke ich, die größte Gefahr besteht nicht im Gelände, sondern auf der Straße. Ich hatte einige Autopannen, aber zum Glück ging das immer glimpflich aus. Aber welche Gefahren birgt die Landschaft an sich? In den Wäldern trifft man natürlich hier und da auf Wildschweinrotten, zum Glück interessierten diese sich bisher nicht weiter für mich. Im Winter bei Minusgraden kann fehlerhaftes Kartenmaterial schon dazu führen, dass man länger als beabsichtigt bei Dunkelheit den Rückweg suchen muss. Aber dennoch war eigentlich alles stets im Rahmen von „abenteuerlich“ und noch nicht wirklich „gefährlich“.  Nur einmal gab es eine wirklich riskante Situation: Beim Fotografieren am Lonauer Wasserfall im Harz hab ich mich von unten durch eine kleine Felsschlucht dem Kessel des Hauptfalls genähert. Die Schlucht die ich durchquerte ist nicht besonders lang, aber bereits beim Hinweg musste ich durch Kolke mit brusttiefem Wasser und die Seitenwände sind relativ steil. Gerade als ich am Wasserfall mein Stativ aufgebaut hatte, hörte ich, dass sich das Geräusch des Wassers plötzlich änderte. Und da wusste ich, dass ich sofort aus der Schlucht raus musste. Denn ein Geräuschwechsel bedeutet, dass sich die Wassermenge ändert. Schon nahm die Wasserführung enorm schnell zu, der vorher vor sich hin plätschernde Wasserfall schoss geradezu über die Kante. Innerhalb von 30 Sekunden stieg der Wasserspiegel unaufhaltsam an. Geradeso konnte ich noch meine Ausrüstung und mich auf einen Felsvorsprung in den Seitenwänden der Schlucht retten, während unter mir das Wasser gischtete und Treibholzstücke in den Fluten mitriss. Auf dem schmalen Felsenband nicht wirklich bequem stehend betrachtete ich das Schauspiel zu meinen Füßen. Der Weg zurück durch die kurze Klamm war durch die Wassermassen versperrt die nicht den Anschein machten, ebensoschnell zu verschwinden wie sie aufgetaucht sind. Also musste ich über die Felswand zum oberen Rand des Kessel hinausklettern. Unangenehm. Aber ohne Handyempfang und ohne die Möglichkeit das jemand einen hätte rufen hören, wäre ein weiterer Aufenthalt im Schluchtbereich riskant gewesen. Als Auslöser für die doch etwas überraschende Flut vermute ich ein lokales Starkregenereignis im Quellgebiet des Flusses. Meine schnelle Reaktion hat mich gerade nochmal entkommen lassen, aber in noch unzugänglicheren Schluchten im Gebirge kann so ein Ereignis schnell lebensgefährlich werden.

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 Fazit: Wichtige Erfahrungen & Schönes Ergebnis
Abschließend betrachtet war die Arbeit am Bildband „Sagenhaftes Deutschland“ das größte Projekt meiner fotografischen Karriere. Die abzudeckende Landesfläche, die Anzahl der einzelnen Motive aber auch die zu Fuß und mit dem Auto zurückgelegten Entfernungen und das Arbeiten nahe am inhaltlichen Konzept waren eine tiefgreifende Erfahrung. Im Nachhinein würde ich sagen, dass der angesetzte Zeitrahmen von einem Jahr fast zu eng war – andererseits wurde das ganze so zu einem von den Eindrücken her unheimlich komprimierten und durchstrukturierten Erlebnis. Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit den Ergebnissen und der Gesamtqualität des Bildbandes. Natürlich hätte ich noch Dutzende Locations im Hinterkopf die bei Idealbedingungen auch einen Platz im Buch verdient gehabt hätten, manchmal hätt ich mir noch Zeit für einen zweiten Besuch gewünscht. Aber für mögliche zukünftige Publikationen brauch ich ja auch noch ein paar Motive. Denn trotz all der Mühen ist es dann doch ein besonderes Gefühl am Schluss seinen eigenen Bildband in den Händen zu halten!

Lieber Kilian, ich danke dir nochmals recht herzlich für diesen tollen Einblick hinter die Kulissen. Für die Zukunft und natürlich auch aus fotografischer Sicht, wünsche ich dir alles Gute und ich freue mich schon auf deine nächsten Projekte. 

*Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Du darüber etwas kaufst, erhälte ich eine kleine Provision.

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