Ein lauer Sommermorgen am Geroldsee

Es ist Mitte Juni und am Tag ist es, wie zu der Jahreszeit üblich, angenehm warm. Die letzten paar Tage  war es am Morgen immer recht neblig, erst habe ich es gar nicht so wahrgenommen, aber dann fiel mir ein, dass ich irgendwo las, dass im Juni/Juli die Wahrscheinlichkeit am Geroldsee Nebel anzutreffen, relativ groß sei. Ich verspürte den Drang zum Geroldsee zu fahren, um dort den Sonnenaufgang festzuhalten. Die Bilder waren schon die ganze Zeit in meinem Kopf „Hach, Nebel über dem See und im Hintergrund die Berge – geil„. Ich war ganz hibbelig und so startete ich eines Tages pünktlich um 2:30h Richtung Garmisch. Bis Garmisch sind es von mir aus, gerade einmal 100 km, klingt vielleicht viel, aber wenn man sich mal vorstellt was es da für tolle Motive gibt, dann ist die Entfernung ein Kinderspiel.

Unterwegs sah ich schon immer wieder ein paar tolle Nebelfelder und ich freute mich schon innerlich. Mit einem Lächeln im Gesicht kam ich in Gerold an und wanderte völlig entspannt Richtung See. Nach kurzer Orientierung ging es zum üblichen Standort. Da ich nicht quer durch das hohe Gras laufen wollte, orientierte ich mich an einem Zaun und bin an diesem die Wiese hochgelaufen. Schließlich will man es sich mit den Landwirten nicht verscherzen und wenn man schon durch ein fremdes Grundstück läuft, sollte man wenig Aufmerksamkeit erregen!

Vor Ort war von Nebel keine Spur, ich wartete einige Minuten bis Sonnenaufgang, aber es blieb dabei, Nebel oder Wolken sollte ich heute nicht sehen. Dementsprechend verlief der Sonnenaufgang recht unspektakulär, so kommt es jedenfalls auf den Bildern herüber. In Wirklichkeit, beobachtete ich die Natur beim Aufwachen, wie die Sonne langsam den Horizont streift und die Alpen anstrahlt, wie manche Teile indessen noch im Schatten liegen. Auch wenn es mit dem erwünschten Nebel nichts wurde, blicke ich dennoch mit einem Lächeln zurück an diesen Tag. Es war schließlich das erste Mal, dass ich die Zeit und die Ruhe hatte, die Natur so intensiv zu beobachten, einfach fantastisch.

Da ich dieses Bild „Nebel über dem See und im Hintergrund die Berge“ noch immer im Kopf hatte und dieses innerliche Bild auch nicht mehr loswurde, unternahm ich erneut einen Versuch. Nach einem regnerischen Tag, sollte es in der Nacht aufklaren – meine Chance war gekommen. Das Aufstehen fiel mir schon schwerer, aber das Bild in meinem Kopf ließ mich nicht los. Unterwegs sah es ebenfalls sehr vielversprechend aus, weiter Richtung Gerold erwartete mich ein ganz anderes Wetter. Es war kalt, nass und so neblig, dass man kaum etwas sehen konnte. Zwar war es Ende Juni, aber gefühlt war man im Oktober oder November. Die einstelligen Temperaturen machten das Ganze nicht angenehmer.

Diesmal wollte ich mich direkt am See positionieren und ich erstellte die ersten Bilder. Danach kam alles ganz plötzlich! Ich sah wie eine dicke Nebelfront auf mich zog, es wurde kälter, windiger und immer nebliger. Man kommt sich verloren vor. Vor Ort hatte man kein Gefühl mehr für die Zeit und indessen war der Moment gekommen, an dem ich dachte „verdammt, schon wieder nichts“. Ich beschloss Richtung Barmsee zu laufen, um die Zeit ein wenig vergehen zu lassen. Zwischendurch kam die Sonne zwar immer wieder kurz zum Vorschein, aber dann kam schlagartig der Nebel zurück. Die Sonne hatte es schwer gegen den Nebel anzukommen und so packte ich meine Sachen und machte mich auf den Weg ans Auto. Aus irgendeinem Grund bin ich nochmal zu meinem ersten Standort gelaufen und plötzlich sah man auf einmal das Karwendelgebirge. Ein kleines Zeitfenster von etwa 6-7 Minuten ermöglichte es mir, mein Bild zu erstellen „Nebel über dem See und im Hintergrund die Berge“, da war also das Bild was ich wollte. Nach einigen Minuten war das Schauspiel auch wieder vorbei und es kam erneut eine dicke Nebelfront auf mich zu. Zwar klarte es kurz danach ganz auf, aber da die Sonne mittlerweile recht hoch stand, war das Licht nicht mehr perfekt und ich fuhr endgültig heim.

Einige Wochen später vielen mir die Bilder vom Geroldsee erneut in die Hände – die Bilder weckten das Gefühl in mir, ich müsse noch einmal zum See fahren. Es war noch nicht alles was der See mir zeigte und seinen besonderen Reiz ausmacht! Mittlerweile war August und der späte Sonnenaufgang machte sich dahingehend bemerkbar, dass ich mehr Menschen antraf als noch einige Wochen zuvor. Das leise aufwachen der Natur war nun nicht mehr ganz so leise.

Auf dem Weg zum See, stimmten mich die leichten Nebelfetzen über dem See positiv und so machte ich mich den Berg hinauf zum altbekannten Standort. Zuvor jedoch beobachtete ich das intensive Alpenglühen. Es ist faszinierend was die Sonne ausmacht, im Schatten sehen die Berge völlig unspektakulär aus und mit den warmen Sonnenstrahlen plötzlich so elegant. Da die Wiese mittlerweile abgemäht war, konnte ich ohne etwas zu zerstören, hinauflaufen.

Man konnte regelrecht zusehen wie der Nebel über den See zog und sich wieder auflöste. Die Sonne kam nun endgültig zum Vorschein und es hatte schon seinen besonderen Reiz mitanzusehen, wie sich das Licht lautlos seinen Weg bahnte. Nach einigen sehr erfolgreichen Aufnahmen machte ich mich schließlich wieder auf den Heimweg. Und zum dritten Mal, zauberte mir der See ein Lächeln ins Gesicht. 

 

3 Kommentare
  1. Christian
    Christian says:

    Hallo Hiacynta,

    toller Bericht und vor allem tolle Fotos! Wenn man nur die Bilder sehen würde, könnte man gar nicht erahnen, wie viel Aufwand hinter solchen Fotos steckt :)

    Liebe Grüße
    Christian

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