graufilter, langzeitbelichtung

Wie du mit Graufiltern deine Bilder aufwerten kannst!

Kennst du das auch, dass du an einem schönen Ort bist, die Lichtverhältnisse aber eher unspektakulär sind und deine erstellten Aufnahmen eigentlich total langweilig sind? Mit Graufiltern kannst du deine Aufnahmen unheimlich stark aufwerten und dadurch wunderbare und einzigartige Aufnahmen erzielen, die manchmal fast schon surreal wirken. In der Vergangenheit habe ich schon oft die oben genannte Erfahrung gemacht, dass ein Motiv relativ unspektakulär aussieht, aber durch die Nutzung von Graufiltern wurden aus diesen Motiven plötzlich richtig spannende Bilder. Bei der Betrachtung der Bilder werde ich dabei oft gefragt, „wie ich das gemacht habe“. Da Graufilter ein recht komplexes Thema darstellen, möchte ich versuchen, dir mit diesem Artikel das Thema etwas näher darzustellen.

 

Was ist ein Graufilter und was kann ich damit machen?

Graufilter oder auch ND-Filter (Neutraldichtefilter) werden wahlweise vor dein Objektiv gesteckt oder geschraubt. Die Filter sorgen dafür, dass weniger Licht durch das Objektiv einfällt und in Folge dessen wird dein Bild abgedunkelt. Soviel zur Theorie und nun stell dir mal folgendes vor: Du hast ein schönes Motiv entdeckt und machst eine Aufnahme, als Belichtungszeit hast du 1/50 eingestellt und deinem Histogramm nach zu urteilen, hast du eine ausgeglichene Belichtung. Jetzt schraubst du einen Graufilter vor dein Objektiv und wie ich eben schon sagte, wird dein Bild abgedunkelt. Wenn du nun mit einer Zeit von 1/50 belichtest wird dein Bild daher recht dunkel aussehen. Was musst du nun tun, um ebenfalls eine ausgeglichene Belichtung zu erzielen?

Richtig, du musst die Belichtungszeit erhöhen! 
Das ist genau der Punkt warum man Graufilter einsetzt und genau deshalb warum ich diese Filter so sehr mag. Durch die längere Belichtungszeit kannst du wirklich wundervolle Effekte erzielen. Belebte Plätze werden plötzlich menschenleer, die Wasseroberfläche wirkt auf einmal spiegelglatt und man kann förmlich das ziehen der Wolken am Himmel sehen. Wie du siehst bieten dir Graufilter so viele kreative Möglichkeiten, die ich nicht mehr missen möchte. Durch die Langzeitbelichtung wirst du Aufnahmen erstellen, die wirklich einzigartig sind, denn keiner dieser Aufnahmen gleich der anderen. Du weißt nie, welches Ergebnis dich nach der Belichtung erwartet. Mit voller Vorfreude wartet man auf das Resultat und für mich is es unheimlich spannend, das Ergebnis betrachten zu können. Das macht für mich den besonderen Reiz.

Welche Graufilter gibt es?

Graufilter kann man in zwei Kategorien aufteilen, nämlich in Schraub- und Steckfilter. Keine Sorge, die Resultate sind identisch nur jeder Fotograf hat andere Vorlieben und muss für sich selbst entscheiden für welches System er bevorzugt. Schraubfilter werden, wie der Name schon sagt, an das Objektiv geschraubt. Der große Vorteil dieser Variante ist die Tatsache, dass kein Licht zwischen Filter und Objektiv eindringen kann. Ich kenne Fotografen, die schwören auf Schraubfilter und möchten nichts anderes benutzen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Filter von der Handhabung nicht ganz so einfach sind und man hier etwas mehr Fehler produzieren kann. Beim Aufschrauben auf das Objektiv kann es durchaus passieren, dass unbewusst der Fokus am Objektiv verstellt wird. Besitzt man mehrere Objektive mit unterschiedlichen Durchmessern, benötigt man mehrere Filter oder muss diese mit Hilfe von Reduzierringen adaptieren.

Steckfilter hingegen sind von der Anschaffung etwas teurer, da man neben dem eigentlichen Filter noch einen Filterhalter und einen Adapterring benötigt. Natürlich ist der Filterhalter und der Adapterring eine einmalige Anschaffung, aber man sollte nicht vergessen, dass auch die Steckfilter preislich etwas höher angesiedelt sind. Zunächst schraubt man den Adapterring an das Objektiv, ähnlich wie beim Schraubfilter und dann befestigt man den Filterhalter an den Adapterring. Der Filterhalter besitzt nun ein, zwei oder auch drei Schlitze, in diesen dann der Steckfilter hineingeschoben wird. Auf der Rückseite dieser Steckfilter befindet sich ein kleiner Rahmen aus Schaumstoff, dieser sorgt dafür, dass kein Licht zwischen Objektiv und Filter eindringt. Hat man den Filter nicht korrekt eingeschoben, kann während der Aufnahme Licht eindringen, was zu unschönen Effekten führt. Der große Vorteil dieses Systems ist allerdings die wirklich einfache Handhabung. Möchte man den Bildauschnitt ändern, entfernt man den Filterhalter samt Filter einfach, anschließend steckt man den Filterhalter ganz einfach auf den Adapterring. Hier ist die Chance den Fokus zu verstellen nur minimal.

Wie du siehst haben beide Arten ihre Vor- und Nachteile. Für welches System du dich entscheidest bleibt dir überlassen. Ich habe jahrelang mit Schraubfiltern gearbeitet, bin dann allerdings auf Steckfilter umgestiegen und kann sagen, dass ich mit beiden Systemen gut zurecht kam. Probiere einfach beide Systeme aus und du wirst sehen, was für dich praxistauglicher ist und denke immer daran, die Resultate sind identisch!

Was sagt mir die Stärke der Filter?

Bei der Bezeichnung der Filter gibt es leider kein einheitliches System und jeder Herrsteller kann für sich selbst entscheiden, wie er seine Filter bezeichnet. Hier muss man also besonders aufpassen, um nicht evtl. den falschen Filter zu erwischen. Insgesamt gibt es drei Möglichkeiten wie man Filter bezeichnen kann: Filterdichte, Reduzierung der Blendenstufen oder Verlängerung der Belichtung.
Nachfolgend habe ich eine kleine Tabelle für dich vorbereitet, ich der ich dir den Zusammenhang der einzelnen Werte zeige.

  • Filter- bzw. Neutraldichte
  • 0
  • ND 0.3
  • ND 0.9
  • ND 1.8
  • ND 3.0
  • Reduzierung der Blendenstufen
  • 0
  • 1
  • 3
  • 6
  • 10
  • Verlängerung der Belichtung
  • 2
  • 8
  • 64
  • 1000

Ich beschreibe die Filter gerne an Hand ihrer Dichte, deshalb beschränke ich mich mit meinen nachfolgenden Beschreibungen nur auf NDx.
Nehmen wir uns mal den ND 0.9 als Beispiel: Du erstellst eine Aufnahme ebenfalls mit ausgeglichener Belichtung. Nun benutzt du den Filter und fotografierst mit identischer Belichtung, deine Ergebnis ist ein Bild, dass um 3 Blenden unterbelichtet ist – diesen Wert kannst du einfach in der Tabelle ablesen.
Um mit dem Filter eine ausgeglichene Belichtung zu erzielen, musst du nun 8 mal solange belichten. Auch diesen Wert kannst du einfach in der Tabelle ablesen. Wie das ganze in der Praxis funktioniert, dazu kommen wir weiter später noch.

Die Tabelle zeigt dir im übrigen nur eine kleine Auswahl der möglichen Filter. Man könnte die Tabelle im Prinzip noch beliebig erweitern, denn da man beliebig viele Fiter miteinander kombinieren kann, gibt es dahingehend keine Grenzen. Als Anfänger fragt man sich sicher mit welchen Filtern man sich zu Beginn eindecken sollte, auch diese Frage kann man pauschal nicht beantworten. Ich kann dir allerdings verraten, dass ich nur drei Filter benutze, nämlich den ND 0.9, ND 1.8 und den ND 3.0Diese drei Filter empfinde ich als völlig ausreichend und ich hatte wirklich noch nie das Bedürfnis einen vierten Filter zu benötigen. Mit diesen drei Filtern deckt man wirklich alle Bereiche gut ab und bei Bedarf, lassen sich die Filter natürlich kombinieren, sodass ich ganz einfach auf ND 4.8 komme.

Wie fotografiere ich mit einem Graufilter?

Das wichtigste bei der Verwendung von Graufiltern ist natürlich die richtige Belichtungszeit zu berechnen und dazu gibt es mehrere Methoden die ich dir vorstellen möchte.

Nach dem du deinen Bildausschnitt gefunden hast und sich dein Graufilter vor dem Objektiv befindet, stellst du deine maximale ISO ein und erstellst eine Aufnahme. Jetzt schaust du dir das Ergebnis an und prüfst das Histogramm, ob du eine gleichmäßige Belichtung hast, wichtig ist, dass die Tiefen/Lichter nicht zu dunkel/hell sind! Merke dir nun die Belichtungszeit und wenn du die ISO halbierst, also wenn aus ISO 25600 dann ISO 12800 wird, musst du deine Belichtungszeit verdoppeln.

Merke dir: Halbiert man die ISO, verdoppelt man die Belichtungzeit!

Nun ein kleines Praxisbeispiel. Ich habe bei ISO 25600 eine Belichtungszeit von 1/50 und möchte wissen, wie lange ich mit ISO 100 belichten muss. Mit dieser Methode lässt sich also ganz einfach im Kopf berechnen, dass man 6 Sekunden belichten muss. Genial oder?

  • ISO
  • 25600
  • 12800
  • 6400
  • 3200
  • 1600
  • 800
  • 400
  • 200
  • 100
  • Belichtungszeit
  • 1/50
  • 1/25
  • 1/10
  • 1/5
  • 0,4″
  • 0,8″
  • 1,6″
  • 3,2″
  • 6,0″

Achtung, wenn du dir beispielsweise mal die letzte „Verdopplung“ anschaust, wirst du feststellen, dass man bei ISO 100 exakt 6,4 Sekunden belichten müsste. Notiert habe ich aber 6 Sekunden, da man mit den meisten Kameras keine 6,4 Sekunden Belichtung realisieren kann, das aber nur der Vollständigkeit.

Ansonsten kann man die Belichtungszeit auch so ermitteln, in dem man das ganze hochrechnet. Hierbei ist es sehr wichtig ist zu wissen, welchen Filter man verwendet. Angenommen man erstellt eine Aufnahme mit einer Belichtungszeit von 1/50 und möchte einen ND 1,8 verwenden. Mit der oberen Tabelle weiß man nun, dass man 64 mal so lange belichten muss, also multipliziere ich 1/50 mit 64 und komme auf eine Zeit von 1,28 bzw. 1,3 Sekunden. Wie man sieht, benötigt man hierfür einen Taschenrechner, im Kopf kann’s wohl etwas länger dauern.

Eine sehr gute Alternative sind hierfür Apps. Für iOS kann ich Long Exposure Calculator uneingeschränkt empfehlen. Für Android eignet sich Exposure Calculator wunderbar um die Belichtungszeit zu ermitteln. Wie erwähnt, sind Apps nicht zwingend notwendig, wenn man den Verlängerungsfaktor kennt, reicht auch ein normaler Taschenrechner völlig aus und man ist nicht auf Apps angewiesen.

Welche Graufilter sind empfehlenswert?

Meine aktuellen Filter sind aus dem Hause Haida! Früher hatte ich Schraubfilter verwendet, ein Filter kostete damals um die 50€ und mit meinem ND 0,9, ND 1,8 und ND 3,0 kam ich super zurecht. Es gibt mittlerweile die Möglichkeit ein Set aus drei Filtern zu erwerben, welches wirklich preiswert und empfehlenswert ist. Mittlerweile verwende ich Steckfilter, ebenfalls von Haida und ebenfalls mit den gleichen Stärken. Die Filter sind aus Glas und ich kann diesen Hersteller mit bestem Wissen und Gewissen weiterempfehlen.

Die englische Firma Formatt-Hitech bietet ebenfalls Steck- und Schraubfilter an. Leider weiß ich nicht, wie die Filter heute sind, vor einigen Jahren hingegen, waren diese aus Plastik oder einem Material was ähnlich wirkt wie Plastik wirkt. Leider hat mir hat das ganze nicht ganz so gefallen, da es irgendwie „billig“ wirkte. Noch dazu hatte mein Graufilter einen extremen Farbstich, den man schwer entfernen konnte. Es kann aber sehr gut sein, dass heute anderes Material verwendet wird. Wenn du diese Filter kennst und mir nähere Infors geben kannst, dann lass es mich bitte wissen.

Die deutsche Firma Schneider & Kreuznach bietet ebenfalls Graufilter an. Ich habe auch schon einige Male Filter dieses Herstellers verwendet und war immer sehr zufrieden. Preislich sind diese zwar etwas teurer, aber Qualität hat seinen Preis. Einen Farbstich konnte ich nur minimal feststellen, jedenfalls konnte man diesen sehr gut entfernen.

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Wann benutze ich welchen Filter?

Oft höre ich die Frage, welcher Graufilter eignet sich für welche Zwecke? Wann benutzt man welchen Graufilter? Angesichts der Tatsache, dass du im vorherigen Abschnitt auch eine Filterempfehlung bekommen hast, ist diese Frage ist natürlich völlig berechtigt, allerdings auch nicht ganz so einfach zu beantworten. Vieles hängt natürlich auch davon ab, was man im Kopf hat – was man mit der Aufnahme realisieren/darstellen möchte.

Du solltest immer daran denken, je länger die Belichtungszeit ist, desto weniger Struktur.

Diese “Regel” lässt sich mit dem nachfolgenden Beispielbild gut verdeutlichen. Du siehst links eine Aufnahme mit einer Belichtungszeit von 1/40 Sek. Die Aufnahme rechts wurde 20 Sek. belichtet.

 

Betrachte mal das Wasser und du wirst sehen, dass links deutlich mehr Struktur auf der Wasseroberfläche zu sehen ist. Rechts hingegen ist keine Struktur mehr vorhanden, die Wasseroberfläche wirkt spiegelglatt. Möchtest du diesen Effekt realisieren, solltest du sicherlich mindestens 20 Sekunden belichten. Mit welchem Filter du diese Belichtungszeit realisieren kannst, kann man nicht so einfach beantworten, denn es hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Der Geschwindigkeit des Motivs und ein gutes Beispiel hierfür sind ziehende Wolken: Hat man sehr langsam ziehende Wolken, muss man lange belichten, um einen schönen ziehenden Effekt zu realisieren. Hat man sehr schnell ziehende Wolken, muss man entsprechend kürzer belichten, um den gleichen Effekt zu erzielen.
  2. Den aktuellen Lichtverhältnissen: Fotografiert man bei bewölktem Himmel, muss man ohne Filter schon länger belichten, möchte man eine spiegelglatte Wasseroberfläche erzielen, muss daher kein ND 3.0 zum Einsatz kommen, da ist möglicherweise ein ND 1.8 ausreichend. Fotografiert man hingegen während strahlendem Sonnenschein, sollte man einen ND 3.0 einsetzen, um auf eine hohe Belichtungszeit zu kommen.

Wie du merkst ist es gar nicht so einfach zu sagen: “Bei Wasser nimmst du den NDx”. Probiere einfach die verschiedenen Filter aus und vergleiche deine Resultate, damit wirst du das sicher besser einschätzen können.

Brauche ich weiteres Zubehör?

Wenn man sich mit Graufiltern bzw. mit Langzeitbelichtungen beschäftigen möchte, muss man unbedingt im Kopf haben, dass man neben Graufiltern noch weiteres Zubehör benötigt. In den Praxisbeispielen hat man gesehen, dass man durchaus mehrere Sekunden oder Minuten belichten muss. Um dies zu realisieren, benötigt man unbedingt ein stabiles Stativ mit einem stabilen Stativkopf. Beachte außerdem, dass man einen Fernauslöser benötigt. Viele Kameras können nur maximal 30 oder 60 Sekunden belichten, danach muss man in den BULB Modus wechseln. Ohne einen Fernauslöser hat man keine Chance mehrere Minuten lang zu belichten.

Schreibe mir doch!

Mit Hilfe dieses Artikels solltest du einen guten Überblick über dieses Thema bekommen haben. Du solltest nun wissen, was ein Graufilter ist und was man damit alles machen kann. Ich denke, meine Beispiele sollten dich motivieren, dich mal mit der Thematik zu beschäftigen. Warum probierst du es nicht direkt aus?

Wenn du noch Fragen oder Anregungen hast, die du mir mit auf den Weg geben willst, so würde ich mich über deine Nachricht freuen! Hinterlasse dazu einfach einen Kommentar oder schreibe mir anderweitig, ich freue mich auf dein Feedback.

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3 Kommentare
  1. Marcel
    Marcel says:

    Interessanter Artikel, zudem ich mich in Zukunft gerne mehr mit Langzeitbelichtung auseinander setzen möchte.
    Gut wären noch Beispielfotos mit verschiedenen Filtern und Belichtungszeiten zum Annähern.
    Was ist am Meer ratsam und was wiederum in der Stadt für ziehende Wolken?
    Viele Grüße
    Marcel

    Antworten
    • hiacynta
      hiacynta says:

      Hey Marcel,

      danke für dein Kommentar. Deine Anregungen gefallen mir, vielleicht habe ich noch ein paar Bilder im Archiv, um das entsprechend einzubauen. Jedenfalls werde ich das mal im Hinterkopf behalten!

      Viele Grüße

      Antworten
  2. Andreas
    Andreas says:

    Hallo Hiacynta,
    deinen Artikel finde ich sehr gut und trifft die Sache sehr gut mit deinen Beispielbildern. Es beschreibt die grundlegenden Dinge die man zum Verständnis benötigt. Persönlich mag ich die Arbeit mit Filtern. Die zugehörigen Links zu den genannten Filterherstellern finde ich ebenfalls gut!
    Lieben Gruss
    Andreas

    Antworten

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