How to…Panoramafotografie

Hallo,
Panoramen sind eine beliebte Art um einen einzigartigen Blick einzufangen. Oftmals fragt man sich, was sich denn wohl links und rechts neben dem Motiv befindet. Dafür eignet sich die Panoramafotografie sehr gut, denn damit wird einem ermöglicht einen 360° Blick zu erzielen. Weiter noch, man kann sogar Kugelpanoramen erstellen, durch diesen virtuellen Blick bekommt man das Gefühl, man sei mittendrin im geschehen.

Ich habe bereits etliche Panoramen erstellt, mal erfolgreich und mal weniger erfolgreich. Mit dem Tutorial möchte ich euch helfen, damit euch diese Fehler nicht passieren. Zunächst einmal möchte ich mich auf das beschränken, was vor bzw. während der Aufnahme passiert. Denn auch ich habe dadurch einige Panoramen versaut und dies soll euch erspart bleiben. Im Internet sieht man jede Menge Panoramen, aber oft scheitert es schon an den Einstellungen vor Ort. Denn wenn vor Ort bereits nicht schon die richtigen Einstellungen getroffen werden, so kann selbst später das beste Grafikprogramm nicht mehr viel ausrichten.

Equipment
Das richtige Equipment ist bei Panoramen am wichtigsten, nein die Kamera und das Objektiv spielen keine Rolle, nur das drumherum. Die erste wichtige Voraussetzung ist natürlich ein stabiles Stativ und ein Stativkopf der einiges an Gewicht aushält. Die Marke ist dabei völlig unerheblich, es sollte nur alles schön stabil sein. Der zweite zentrale Punkt ist eine Wasserwage. Glaubt mir ist der Stativkopf nicht richtig ausgerichtet, könnt ihr das Panorama gleich vergessen. Wichtig dabei ist die Tatsache, dass nicht das Stativ gerade stehen soll, sondern der Stativkopf sollte exakt waagerecht ausgerichtet sein. Stellt euch vor, der Stativkopf kippt leicht nach rechts, wenn ihr nun das Panorama erstellt und die Kamera nun mit dem Stativkopf dreht, dann fotografiert ihr nach links oben, d.h. ihr fotografiert letztendlich schräg.
Der dritte und letzte zentrale Punkt ist ein Nodalpunktadapter. Für manche Panoramen ist dieser zwingend notwendig, siehe das Beispielbild.

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Ohne einen Nodalpunktadapter wäre es nicht möglich diese beiden Panoramen so zu erstellen, wie sie sind. Das Geländer könnte die Software nicht eins zu eins zusammensetzen, da kein Parallaxenausgleich erfolgte. Ich versuche es mal zu erklären. Wenn wir uns einen markanten Punkt im Bild aussuchen, zum Beispiel im zweiten Bild nehmen wir uns diese rote Lampe am Vordach als Punkt. Schauen wir nun also durch den Sucher und beobachten den Punkt und die Straße die direkt dahinter liegt. Wenn wir nun die Kamera drehen und den Punkt weiter beobachten, sehen wir das dieser „wandert“ das bedeutet, dass durch die Drehung der Punkt nicht deckungsgleich ist. Leider habe ich kein Referenzbild, aber wenn ihr es mal versucht, dann wisst ihr sicherlich was ich meine. Jedenfalls fehlen dadurch Bildelemente, sodass die Bilder nicht zusammengesetzt werden können, es entstehen dadurch Geisterbilder.
Es gibt jedoch auch Panoramen, bei denen ein Nodalpunktadapter nicht unbedingt notwendig ist. Siehe die beiden nachfolgenden Bilder:

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Bei diesen beiden Bildern befindet sich kein Objekt im Vordergrund, sodass es zu keiner Parallaxenverschiebung kommt. Generell würde ich jedoch immer den Einsatz eines Nodalpunktadapters empfehlen, man hat dadurch schließlich keinen Nachteil.
Als weitere nützliche Kleinigkeit kann ich eine Panoramaplatte empfehlen. Damit dreht ihr die Kamera um einen vorher fest fixierten Winkel. Es spielt zwar keine Rolle, ob man 30% oder 33% Überlappung im Bild hat, aber auf Dauer ist so eine Panoramaplatte recht sinnvoll. Apropos Überlappung…ich empfehle eine recht großzügige Überlappung, die Devise lautet: Lieber etwas mehr als zu wenig. Durch eine zugeringe Überlappung habe ich mir schon so manches Panorama versaut, weil ich es nicht zusammensetzen konnte, aber durch eine zu große Überlappung ist mir dies noch nie passiert. Hier habe ich einige Referenzpunkte für euch, damit ihr seht bei welcher Brennweite ich welchen Drehwinkel verwende.
12mm – 60°
17mm – 45°
24mm – 30°
35mm – 24°
50mm – 20°
Ich habe dabei eine Überlappung zwischen 20% (bei 35mm) und 45% (bei 24mm) und komme mit diesen Werten bestens zurecht.

Standort
Zu Beginn des Panoramas, sollte der korrekte Standort gewählt werden. Anders als bei normalen Einzelaufnahmen ist es wichtig, dass man den Standort korrekt aussucht. Das Hauptmotiv sollte in der Regel mittig sein, man sollte Versuch das Stativ genau in einer Linie zum Hauptmotiv auszurichten. Siehe mein Bild zum Panorama vom Brandenburger Tor.

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Das Stativ wurde in diesem Beispiel exakt mittig ausgerichtet, als Referenzpunkte wählt man die beiden mittleren Säulen die sich am Brandenburger Tor befinden.
Im nachfolgenden Beispiel ist es mir nicht gelungen exakt die Mitte zu finden. Als Referenzpunkte habe ich die zwei Säulen der Lampen benutzt und habe versucht mich mittig zu platzieren. Wenn man sich das Bild also genau betrachtet ist die links Lampe etwas größer als die rechte, das erkennt man deutlich an der Spitze der Lampe, den der Abstand zum Bildrand ist nicht gleich.

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In so einem Falls ist es also wirklich sehr schwer bis unmöglich sich genau in der Mitte zu positionieren. Wie man sehen kann, können wirklich einige cm darüber entscheiden, ob eine Symmetrie vorliegt oder nicht. Aber nicht gleich den Kopf in den Sand stecken, als Lösung empfehle ich, dass man sich direkt an die Lampe stellt, denn so ist die Symmetrie garantiert. Man muss sich nur darauf verlassen, dass die Referenzpunkte (in dem Fall also die Lampen) sich wirklich im gleichen Abstand zueinander befinden. Im nachfolgenden Beispiel sind die Lampen perfekt symmetrisch und gleich groß.

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Einstellungen
Kommen wir nun zum Thema der Einstellungen, die an der Kamera vorzunehmen sind.
Ist das Stativ einmal korrekt ausgerichtet und alle Schrauben sind fest angezogen (ja bitte darauf achten (!) es ist nicht schön, wenn man nach 30 Aufnahmen merkt, dass die Kamera ihre Position geändert hat nur weil man die Schrauben nicht fest angezogen hat), wählt man nun seine Einstellungen aus. Das wichtigste ist einfach nur, dass man während man das Panorama erstellt, die Einstellungen nicht verändert, d.h. man wählt den Manuellen Modus seiner Kamera aus, stellt eine fixe Blende, Belichtungszeit, Weißabgleich und manuellen Fokus ein, fertig. Ich muss zugeben, dass ich den Weißabgleich jedoch im Automatikmodus lasse, denn dank RAW kann man diesen später leicht verändern und auf alle Bilder übertragen.

Blende:
Die Blende sollte man so auswählen, wie man es für Richtig hält, bei lichtschwachen Zoom Objektiven, Blende 8-10. Ich erstelle meine Panoramen sehr oft mit Festbrennweiten, sodass ich je nach Festbrennweite etwas zwischen 3,2 und 5,6 auswähle. Wobei ich bei einer kurzen Belichtungszeit die Blende schließe und bei längeren Belichtungszeiten die Blende öffne.

Belichtungszeit:
Wie auch die Blende, sollte die Belichtungszeit beim Panorama konstant sein und während der Aufnahme nicht verändert werden. Gerade bei der Belichtungszeit ist es als Anfänger schwer diese korrekt auszuwählen. Am einfachsten ist es, wenn man Belichtungsreihen erstellt, jedes einzelne Bild wird also mit unterschiedlichen Zeiten aufgenommen. So werden sowohl dunkle Stellen als auch helle Stellen noch korrekt abbelichtet. Aber wie wählt man nun die richtige Zeit aus? Zunächst schaut man durch den Sucher und schaut welche Belichtungszeit einem die Kamera empfiehlt, das macht man dann für jedes einzelne Bild. Ein Beispiel, ich erstelle ein Panorama das aus 5 Einzelaufnahmen besteht. Die Kamera zeigt mir bei der Belichtungszeit folgende Richtwerte an:
Einzelaufnahme 1 = 10 Sekunden
Einzelaufnahme 2 = 8 Sekunden
Einzelaufnahme 3 = 9 Sekunden
Einzelaufnahme 4 = 7 Sekunden
Einzelaufnahme 5 = 6 Sekunden

Man wählt also nun die längste Belichtungszeit aus, also 10 Sekunden. Die Zeit wähle ich auch für die restlichen vier Aufnahmen aus. Da nun die Einzelaufnahme 5 dadurch viel zu Überbelichtet wäre, erstellt man eine Belichtungsreihe um dieses Problem zu umgehen. Auch die Zeiten der Belichtungsreihe sollten bei allen Einzelaufnahmen stets gleich bleiben. Das heißt für die 5 Einzelaufnahmen erstelle ich jeweils ein Bild mit einer Belichtungsdauer von 10 Sekunden, eins mit z.B. 5 Sekunden und ein drittes mit z.B. 2.5 Sekunden. Jedes dieser Einzelaufnahmen besteht nun aus der exakt gleichen Belichtungszeit, dadurch erhält man ein gleichförmig belichtetes Panorama, das einen fließenden Übergang zeigt.

Links oder rechts anfangen?
Ein kleiner Tipp noch zum Schluss, falls ihr mal nicht wisst, ob ihr links oder rechts anfangen sollt. Schaut euch mal den Himmel an, der Himmel zeigt auf der einen Seite ein helleres und auf der anderen Seite ein dunkleres Blau an. Generell wird an der Seite angefangen, an der der Himmel dunkler ist. Wenn ihr dann an der hellen Seite ankommt, so habt ihr ein gleichförmig belichteten Himmel mit einem schönen Übergang. Denn überlegt mal, bis ihr an der hellen Seite ankommt sind bereits einige Minuten vergangen und der Himmel hat sich bereits abgedunkelt. Würde man an der hellen Stelle anfangen, so hättet ihr im Himmel einen starken Übergang zwischen hell und dunkel und das sieht etwas unnatürlich aus.

Checkliste
Puh das sind jetzt natürlich gefühle tausend Sachen die man sich merken sollte um ein perfektes Panorama zu erstellen. Auch ich vergesse hin und wieder den ein oder anderen Punkt, aber um das ganze nochmal zusammen zu fassen, hier eine kleine Checkliste mit Punkten die man beachten sollte:

– Stativ ausrichten, Schrauben festziehen und Stativkopf exakt ausrichten

– Richtigen Nodalpunkt in Abhängigkeit der Brennweite einstellen

– durch den Sucher schauen und die Kamera drehen um zu prüfen, ob nicht wichtige Elemente abgeschnitten sind

– Kamera in manuellen Modus: fixe Blende, Belichtungszeit, Farbtemperatur

– Fokus auswählen und umschalten auf manuellen Modus

– An der dunklen Seite anfangen und während des Panoramas zus hellen Seite drehen

Vielen Dank für’s lesen und viel Spaß bei der Panoramafotografie

2 Kommentare
  1. Anton
    Anton says:

    Sehr schöner und informativer Beitrag! Mich würde jedoch noch interessieren welchen Nodalpunktadapter du mit welcher Kamera-/Objektivkombination verwendest.
    Grüße!

    Antworten
  2. admin
    admin says:

    Hey Anton,

    also ich besitze einen Nodapunktadapter dieser seite hier
    http://www.roundabout-np.de/

    Ich habe verschiedene Kamera (Canon 30d, und 5d’s) mit ganz verschiedenen Objektivkombinationen (Festbrennweiten und Zooms zB. 100-400mm) damit verwendet und es funktioniert wirklich einwandfrei. bei schweren Objektiv sollte man darauf achten, dass die Schrauben alle festgedreht sind, mir ist es schon passiert, dass die Kamera die position geändert hat :)

    schöne grüße

    Antworten

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