Wer ist eigentlich…Tobias Zeising?

Es ist nun soweit, ich habe es euch schon angedroht, dass ein neues Projekt meinerseits ansteht und hier ist nun die Premiere.

Den ersten Fotografen, den ich an dieser Stelle vorstellen möchte ist Tobias Zeising. Wenn ihr Mitglied auf deviantart seid, dann werdet ihr Tobias sicherlich schon einmal gesehen haben. Auf deviantart findet man ihn unter ssilence. Tobias ist seit 10 Jahren Mitglied in dieser Community und mir fällt auf Anhieb niemand ein, der noch bekannter ist als Tobias. Auf seinem Profil haben sich bereits über 1,4 Millionen Menschen verirrt und seine nicht einmal 250 Aufnahmen wurden bereits sage und schreibe über 6,5 Millionen mal angeschaut. Die Zahlen muss man sich einmal im Kopf durch den Kopf gehen lassen.

far_away_by_tobias_zeisingIch habe Tobias bereits vor 7 Jahren auf der eben beschriebenen Community kennen und schätzen gelernt. Seine Aufnahmen haben mich bereits von Anfang an wahnsinnig fasziniert und natürlich auch inspiriert, sodass es natürlich nur logisch ist, dass ich Tobias als den ersten Fotografen meines neuen Projektes vorstellen möchte. Ich bin auch sehr erfreut darüber, dass Tobias dem Interview  zugestimmt hat, um ehrlich zu sein, hatte ich sonst keine andere Alternative.  Näheres dazu, folgt jedoch später.

Leider bin ich mir nicht mehr ganz so sicher, aber ich glaube, es war sogar der erste Tag auf der Plattform, an dem ich jenes Bild entdeckte. Das erste was mir durch den Kopf schoss war ein „WOW“. Nach dem ich mir sein Profil näher betrachtet habe, war schnell klar, solche Bilder will ich auch machen. Was mich besonders faszinierte war die Tatsache, dass Tobias wirklich alltägliche Motive in einem neuen Licht präsentiert. Gerade seine Landschaftsaufnahmen sind wirklich sehr imponierend. Nach längerem betrachten seiner Bilder, sieht man die Natur und Landschaft auf einmal in einer ganz anderen Sichtweise. Es gehört schon einiges an Talent dazu, dass man so eine Reaktion beim Betrachter auslöst.  Des Weiteren finde ich sehr  faszinierend, das nahezu sämtliche seiner Landschaftsaufnahmen vor Ort bzw. in seiner Heimat entstanden sind. Gerade als Anfänger denkt man bei solch wunderbaren Landschaftsaufnahmen wie Tobias sie präsentiert, dass diese überall entstanden sind nur nicht vor Ort. Das ist falsch, denn man sollte sich ähnlich wie Tobias, im Klaren darüber sein, dass die Natur da draußen, die man aus dem Fenster betrachtet, ebenfalls eine Fülle von Motiven bietet. Leider ist dies zu unserem alltäglichen geworden, sodass wir die Natur als solches nicht mehr erkennen.

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reprise_of_fairys_tears_by_tobias_zeising

Es sind jedoch nicht nur die Landschaftsaufnahmen die einen so begeistern, sondern auch die zeitlosen Aufnahmen, die Tobias erstellt, sei es zum Beispiel Tropfen auf Federn oder Blumen. Die Aufnahmen sind so stilecht und minimalistisch, wie man es nur selten sieht. Auch wenn es sich in Wirklichkeit um eher langweilige Motive handelt, hat er einen besonderen Blick dafür, wie man ein wundervolles und authentisches Bild erstellt. Die Bilder laden zum Träumen und Nachdenken ein und wirken auf den Betrachter sehr beruhigend. Auch dies ist eine Gabe, von der nicht jeder Fotograf sprechen kann.

hesitating_gravity_by_tobias_zeising

Bevor ich nun zum Abschluss meiner Präsentation komme, möchte ich nur noch hervorheben, dass der größte Teil seiner Aufnahmen, bereits lange Zeit bevor es bezahlbare digitale Spiegelreflexkameras gab, erstellt wurden. Ich möchte damit verdeutlichen, ob man sich, wenn man solche Bilder betrachtet, wirklich Gedanken darum macht ob man sich teures Zubehör kauft oder doch die kostengünstigere Variante wählt. Denn dies spiegelt sich, wie wir bei Tobias sehen, in keinster Weise in den Bildern wieder!

Ich bin ein reger Beobachter und verfolge die Entwicklung von Tobias schon eine sehr lange Zeit. Leider ist es in den letzten Jahren etwas ruhiger um Tobias geworden, was ich sehr bedaure. Aber nichts desto trotz, seine Aufnahmen sind und bleiben einfach inspirierend. Tobias, ich wünsche dir alles Gute, mach einfach weiter so wie bisher und bleibe deiner Linie treu!

Falls ihr euch selbst ein Bild von Tobias machen wollt, so besucht doch mal sein Portfolio, ein Blick lohnt sich auf jeden Fall.
Webseite, deviantart

Und nun folgt ein kleines Interview, welches ich mit Tobias geführt habe.

meadow_of_delight_and_sadness_by_tobias_zeisingUm den Einstieg zu erleichtern, würde ich dich bitten, dich kurz vorzustellen.
Mein Name ist Tobias Zeising, ich komme aus München und bin Informatiker (verdiene meine Brötchen also nicht mit Fotografie)

Wann und wodurch bist du zur Fotografie gekommen?
Meine erste Kamera habe vor über zehn Jahren gekauft. Nachdem ich alleine beruflich bedingt schon sehr IT-affin bin, war klar, dass es sich um eine der ersten Digitalkameras gehandelt hat. Sehr früh war ich schon fasziniert von Landschaftsfotografie, wie sie in der National Geographic oder der GEO zu finden ist. Portale wie deviantart.com (die damals noch eine winzige, unbekannte Seite mit Nutzerzahlen im unteren zweistelligen Bereich war), gaben mir den Ansporn mich auch selbst in dieser Disziplin zu üben.

Gibt es eine Person die dich inspiriert?
Besonders fasziniert haben mich immer zeitgenössische Maler wie Michael Whelan oder Larry Elmore. Meine Inspiration ziehe ich aber aus mehreren Quellen, wobei neben zahlreicher, ganz hervorragender Fotografien, wie man sie bei Andy Munford, Denis Olivier, Janusz Miller oder Marc Adamus findet, auch andere Medien eine ganz entscheidende Rolle spielen. So liefert die Literatur viel von dem Stoff, aus dem auch schöne Landschaftsbilder gemacht sind. Am Ende ist das aber alles nur ein kleiner Teil, der einen Anstoß dazu gibt, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die Szene selbst, wenn man in einem Wald steht und die frische und kühle Luft einatmet, der sanfte Wind, der einem über das Gesicht streicht, wenn man an einem warmen Sommerabend an einem See steht, oder das Knirschen der frischen Schneedecke unter den eigenen Füßen an einem kalten Wintertag, bieten mehr Inspiration, als es irgend ein Mensch es je zu erschaffen vermag.

reprise_of_autumn_sun_by_tobias_zeising

Was motiviert dich an der Fotografie, bzw. wodurch motivierst du dich selbst?
Fotografieren ist dem Schachspiel sehr ähnlich. Wenn man damit beginnt und erst die Regeln gelernt hat, dann kennt man zwar die Züge und weiß, wie sich die einzelnen Figuren bewegen können. Was aber zwischen all diesen begrenzten Möglichkeiten liegt, die Mannigfaltigkeit, die dieser Sache zugrunde liegt und damit die eigentliche Komplexität darstellt, erschließt sich erst nach und nach und es kommt einen dann vor, als würde man erst „sehen“ lernen. Bei der Fotografie ist das genauso: Während die ersten Bilder eher unbeholfen und seltsam bedeutungsleer erscheinen, steigert man sich Schritt für Schritt. Gerade dieses „sehen lernen“, diese Veränderung ist das, was mich an der Fotografie immer fasziniert hat.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben und warum hast du diesen ausgewählt?
Wie lautet die Botschaft die in deinen Bildern steckt?

Meine Bilder versuchen die Natur auf eine perfektionierte Weise einzufangen, die zuerst kitschig und plump erscheint, deren Ursprung aber auch von subtiler Art ist. Menschen besitzen die herausragende Fähigkeit zu abstrahieren. Anstatt sich beispielsweise alle Blumen einzuprägen, die sie jemals gesehen haben, schaffen sie eine Oberkategorie „Blume“ und besitzen eine abstrakte Beschreibung dessen, wie eine Blume auszusehen hat. Mein Versuch ist es, genau diese Abstraktion einzufangen. „autumn sun“ zeigt beispielsweise eine leere Straße, eine Allee, durch deren Blätterdecke in den morgendlichen Dunst Sonnenstrahlen fallen. Irgendwie ist das naheliegend und man kann sich das auch gut ausmalen, ohne ein wirkliches Bild davon zu sehen. Tun wir es aber doch, dann ist es auf eine seltsame Weise schön das, was man sich herbeisehnt wirklich zu sehen (ich beziehe das nicht nur auf meine Bilder, es gibt zahlreiche hervorragende Fotografien, bei denen ich etwas Ähnliches empfinde).

Gibt es weitere Bereiche in der Fotografie die dich faszinieren und die du gerne neu für dich entdecken möchtest?
Sehr faszinieren mich Bilder von Menschen, wie sie beispielsweise Fotografien von Janusz Miller zeigen. Auch bei 1x.com oder 500px.com findet man sehr schöne Bilder von Menschen die sehr persönlich sind, aber völlig offen lassen, wer sich dahinter verbirgt. Mecuro B. Cotto oder Alexander Kann sind Beispiele für diese Art von Bildern. Selbst habe ich in der Fotografie immer eine gewisse Ruhe und einen Ausgleich gesucht und werde daher wohl immer bei der Landschaftsfotografie bleiben.

neural_rust_by_tobias_zeisingWelchen Einfluss hat die Fotografie in deinem Leben?
Mir sind Fotografien sehr wichtig. Ich habe ein sehr großes Archiv mit herausragenden und schönen Fotos, auf die ich gestoßen bin. Primär im Internet, denn dort hat ja in den letzten Jahren eine Flut an Bildern ihren Weg in das World Wide Web gefunden. Manchmal sitze ich dann da, schaue mir ein paar der Fotos an und überlege mir, was wohl dahinter liegt, wer es gemacht hat und welche Geschichte sich dahinter verbergen könnte. Dann ist es wie mit Büchern: Es gibt die tatsächliche Szene, welche für immer verloren ist, das Bild das der Fotograf davon in Erinnerung hat, und das, was der Betrachter davon erkennt und träumt. Das ist inspirierend. Auch weit über die Fotografie hinaus.

Gibt es einen Moment an den du dich besonders gerne erinnerst?
Die meisten Bilder verbinde ich mit schönen Momenten, die ich mit meinen Lieben verbracht habe, denn alleine gehe ich eigentlich nie auf Tour.

Wie stehst du zur Bildbearbeitung und welchen Einfluss hat diese auf deine Bilder?
Alles ist erlaubt, wenn dadurch eine schöne und realitätsnahe Fotografie entsteht. Extreme HDR Aufnahmen und Infrarot-Fotografie gehört für mich nicht dazu, denn wer könnte schon jemals etwas in so einem großen Dynamikumfang bzw. Farbton sehen? Meine Fotografien habe ich primär hinsichtlich ihrer Farbzusammensetzung, den Tonwerten, Kontrast usw. manipuliert. Sehe aber in der digitalen Bildbearbeitung ein legitimes Mittel eine Fotografie aufzuwerten.

Du hast mit deviantPHOTO eine recht große deutschsprachige Community geschaffen. Was hast du für die Zukunft geplant?
deviantPhoto ist ziemlich eingeschlafen, was leider mit der begrenzten Zeit zusammenhängt, die Familie und Beruf noch übrig lässt. Es sind seit damals auch unzählige, hervorragende Fotografieseiten aus dem Boden geschossen (z.B. 1x.com oder 500px.com). Daher werde ich deviantPhoto nicht weiter entwickeln oder verbessern (wer das gerne machen würde, darf sich gerne bei mir melden).
In Kürze werde ich ein Webprogramm (auf PHP Basis) veröffentlichen, dass in der Lage ist Inhalte von verschiedenen Seiten (z.B. via RSS) zu sammeln und als einen Stream anzuzeigen. Ich nutze das schon seit einiger Zeit und finde es klasse um verschiedenste Fotografie-Seiten zu verfolgen und immer die aktuellsten Bilder in einem Stream präsentiert zu bekommen. Für Fotografen sicherlich sehr interessant.

raise_storm_by_tobias_zeising

Wo siehst du dich in 20 Jahren?
Natürlich habe ich einige große Ziele für mein Leben gesteckt. Diese sind aber sehr privater Natur und eher nichts für ein öffentliches Interview. Mit meinen Bildern berühmt werden, oder in der Fotografie beruflich Karriere zu machen gehört allerdings nicht dazu. Denn dafür ist mir das Fotografieren und die Freiheit, die für mich damit einhergeht, viel zu wertvoll.

Und nun ein paar abschließende Worte deinerseits
Fotos werden nicht für die Ewigkeit gemacht und sind selbst ein Bestandteil von Momentaufnahmen, in denen wir sie betrachten, auch wenn diese niemand fotografiert. Ihr Wert ist also darauf begrenzt, was wir darin sehen, träumen und in ihnen finden. In Anbetracht dessen ist es schwer ein Foto als gut oder schlecht einzuordnen, auch wenn unser Wunsch zu abstrahieren das gerne würde.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön für dieses wundervolle Interview und das du dir die Zeit genommen hast mir all die Fragen zu beantworten. Es macht mir wirklich großen Spaß dieses Interview zu lesen und es ist doch erstaunlich, wie du manche Dinge siehst. Aber worauf ich mich besonders freue ist dein neues Projekt, ich bin gespannt.

 

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  1. Interview & Prints bei Artflakes | Tobis Blog sagt:

    […] Jelen hat in ihrem Blog ein Interview mit mir veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle von mir, es freut mich sehr, dass sie mich […]

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