Die blaue und goldene Stunde in der Fotografie
Zwei kurze Zeitfenster am Tag – und der Unterschied zu mittelmäßigen Fotos könnte kaum größer sein.
Hiacynta Hess
Aktualisiert: 15. Mai 2026 · ca. 5 Min. Lesedauer
TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
- Goldene Stunde = kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang – weiches, warmes Licht
- Blaue Stunde = vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang – intensives Blau, harmoniert perfekt mit Kunstlicht
- In Mitteleuropa dauert die blaue Stunde 30–60 Minuten
- Planung mit „The Photographer's Ephemeris" – zeigt genaue Zeiten für jeden Standort
- Stativ und ND-Filter sind zur blauen Stunde unverzichtbar
Inhaltsverzeichnis
Warum Licht alles verändert
In meiner fotografischen Anfangsphase stieß ich relativ früh auf den Begriff blaue Stunde. Anfangs war ich etwas unschlüssig, welche Bedeutung er hat. Die Bilder, die ich während dieser Zeit sah, sprachen mich direkt an. Wenig später tauchte auch noch der Begriff goldene Stunde auf – und mir wurde schnell bewusst, wie wichtig diese kurzen Zeitfenster für die Fotografie sind.

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Welche Tageszeit ist für Fotografen am besten?
In der Fotografie spielt Licht eine ganz besondere Rolle – je nach Tageszeit wirkt es völlig unterschiedlich. Um die Mittagszeit steht die Sonne hoch im Himmel, das Licht ist grell und kaum ein Schatten zu sehen. Am frühen Morgen oder gegen Abend nähert sich die Sonne dem Horizont, die Schatten werden länger und das Licht ist weich und warm.
Für Landschaftsfotografen ist die harte Mittagssonne meist uninteressant. Wir warten auf das weiche Licht der Morgen- und Abendstunden.
Was ist die blaue Stunde?

Ein wichtiger Punkt vorweg: Die blaue Stunde ist im wahrsten Sinne keine Stunde. In Mitteleuropa dauert sie zwischen 30 und 60 Minuten. Je weiter man sich im Norden befindet, desto länger dauert sie – im Sommer ist sie länger, im Winter kürzer.
Als blaue Stunde bezeichnet man die Zeit vor Sonnenaufgang bzw. nach Sonnenuntergang. Der Himmel zeigt dabei eine schöne blaue Färbung – unabhängig davon, ob Wolken am Himmel sind oder nicht.
Die blaue Stunde entspricht der bürgerlichen Dämmerung und ist Teil der drei Dämmerungsphasen (bürgerliche, nautische und astronomische Dämmerung). Jeder Tag hat zweimal eine blaue Stunde – einmal morgens, einmal abends.
Was ist die goldene Stunde?

Die goldene Stunde ist das erste und letzte Licht des Tages – kurz nach Sonnenaufgang bzw. kurz vor Sonnenuntergang. Auch hier gilt: zweimal täglich, morgens und abends.
Ich bin der Meinung, dass die goldene Stunde in der Landschaftsfotografie sogar eine noch größere Rolle spielt als die blaue Stunde.
Warum sind diese Zeitfenster so reizvoll?
Zur goldenen Stunde wirkt das Licht besonders weich und warm. Landschaftsaufnahmen haben eine besondere Magie – sie wirken harmonisch und fast wie ein Gemälde. Die tief stehende Sonne erzeugt lange Schatten, die als Gestaltungsmittel eingesetzt werden können, und verleiht der Landschaft einen wunderbaren gelblichen Farbton.
Aufnahmen während der blauen Stunde haben einen ganz eigenen Charme. Das intensive Blau des Himmels harmoniert mit den warmen Farbtönen von Straßenlampen und beleuchteten Gebäuden – klassische Komplementärfarben, die das Bild ausgewogen und lebendig wirken lassen. Der entscheidende Vorteil: Himmel und Kunstlicht haben etwa die gleiche Helligkeit. Das bedeutet keine harten Kontraste, kein ausgebrannter Himmel, und Details auch in den dunkelsten Bildstellen.
Ein gutes Beispiel für die Wirkung zur blauen Stunde sind die Fotospots in Frankfurt – die Skyline mit dem warmen Kunstlicht vor blauem Himmel ist ein Klassiker.
Ausrüstung zur blauen Stunde
Zur blauen Stunde sind die Belichtungszeiten lang – ein Stativ ist Pflicht. Mit einem ND-Filter lassen sich die Belichtungszeiten noch weiter verlängern, was fließendes Wasser oder ziehende Wolken seidig weich macht.
Stativ für Langzeitbelichtungen
Zur blauen Stunde kommt kein Fotograf ohne stabiles Stativ aus. Lange Belichtungszeiten machen verwacklungsfreie Aufnahmen sonst unmöglich.
ND-Filter Set
Mit einem Graufilter verlängerst du die Belichtungszeit gezielt und hältst Bewegung – Wasser, Nebel, Wolken – als sanftes Gespinst fest.
Alles über ND-Filter und wann welcher sinnvoll ist erkläre ich in einem eigenen Artikel.
Wie ermittle ich die genauen Zeiten?
Als grobe Orientierung gilt: 45–60 Minuten vor Sonnenuntergang beginnt die goldene Stunde. Direkt danach, wenn die Sonne unter dem Horizont verschwunden ist, beginnt die blaue Stunde.
Für genaue Planung empfehle ich zwei Tools:
The Photographer's Ephemeris – zeigt alle Dämmerungsphasen für jeden Standort und jeden Tag auf einer Karte. Sowohl als App als auch als Desktop-Version verfügbar. Unverzichtbar für die Planung von Landschaftsaufnahmen.
JeKo Dämmerungsrechner – gibt alle relevanten Zeitdaten für deinen Standort aus. (Hinweis: Link bitte vor dem Teilen prüfen – Seite könnte inzwischen offline sein.)
Das Wichtigste zusammengefasst
Wann beginnt die goldene Stunde? Kurz vor Sonnenuntergang bzw. kurz nach Sonnenaufgang – idealerweise etwa 45–60 Minuten vorher am Standort sein.
Wann ist die blaue Stunde? Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Den genauen Zeitpunkt am besten mit The Photographer's Ephemeris für den eigenen Standort ermitteln.
Was brauche ich? Stativ, ND-Filter für Langzeitbelichtungen und ausreichend Zeit – diese Momente warten nicht.
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